Suchtprävention an Volksschulen

 

Suchtprävention an Volksschulen

 

Ein Präventionsprojekt im Sinne von Schulentwicklung, durchgeführt als Pilotprojekt in der Volksschule Benediktbeuern

                                                       
1. Entstehung des Projektes

Präventionsanbieter des Landratsamtes, Gesundheitsamt und Amt für Jugend und Familie, stellten in Schulen immer wieder fest, dass Präventionsangebote von Schulen meist neu erarbeitet und organisiert werden. Als einer der Gründe konnte aufgeführt werden, dass die Schulen keine Dokumentationen über bereits durchgeführte Projekte/Angebote führten. Die unzureichende Dokumentation hatte zur Folge, dass Schulen und engagierte Lehrkräfte keine Unterstützung von anderen Schulen erhielten (im Sinne von: Welche Präventionsangebote sind zu empfehlen...) und auch nicht auf deren Erfahrungswerte zurückgreifen konnten.

2. Erarbeiten des Projektes

Die Mitglieder der Suchtarbeitskreises Untergruppe Schule setzt sich aus einem muliprofessionellen Team zusammen.
In einem ersten Arbeitsschritt wurde für jede Jahrgangsstufe ein konkretes und speziell für die jeweilige Jahrgangsstufe wichtiges Präventionsthema festgelegt.
In einem weiteren Arbeitschritt wurde ein Fragebogen erstellt, welcher an jede Schule im Landkreis verschickt wurde. Die Schulen wurden gebeten in jeder Jahrgangsstufe ihnen bekannte Präventionsthemen aufzuführen:
Wir erhielten von den Grund- und Hauptschulen eine sehr hohe Rückmeldung.
Im nächsten Schritt wurden die Fragebögen ausgewertet. Angebote aus dem Lehrplan und „externe“ Themen wurden getrennt aufgelistet.

Für alle „externen“ Angebote erstellten wir eine Kurzbeschreibung, welche den Anbieter, die Kosten, die Zeit der Durchführung, sowie Rahmenbedingungen enthielt. Aktuelle Info-Unterlagen von Präventionstheater, Ausstellungen und dergleichen wurden angefordert um sie themenspezifisch in Ordner zusammen zu fassen. Festgehalten wurde auch, wer im Landkreis das Angebot schon wahrgenommen hat und wie es gegebenenfalls vor- und nachbereitet werden muss.

Schließlich wurde für jede Jahrgangsstufe ein Ordner angelegt. Je zwei Exemplare sollten an die Pilotschule weitergeleitet werden, ein weiterer sollte im Gesundheitsamt, Landratsamt verbleiben.

3. Inhalte der Ordner

Nach einem Vorwort, in welchem kurz der Suchtarbeitskreis und der Anlass zur Umsetzung des Projektes steht, wurde eine Seite zur speziellen Information für die Lehrer erstellt.

Zum Inhalt

Prävention kann nur greifen, wenn sie sich wie ein roter Faden durch das Leben eines Menschen zieht.
Deshalb wurde jeder Jahrgangsstufe ein anderes Präventionsthema zugeordnet, angelehnt an den Lehrplan. Über die Möglichkeit hinaus Themen in Unterrichtsfächern zu erarbeiten, wurden viele externe Angebote aufgegriffen und kurz beschrieben. Diese Angebote wurden bereits in Schulen im Landkreis durchgeführt und für gut befunden.
Damit Eltern auf den neuesten Stand der Suchtprävention gebracht werden können, finden sie im Ordner auch einige Angebote für Elternarbeit und Elternabende.
Sie als Lehrkräfte sind wichtige pädagogische Bezugspersonen auf welche immer mehr Verantwortung geladen wird, daher beinhaltet der Ordner neben fachlichen Angeboten und Infomaterial auch Angebote zum Wohlfühlen und Stressabbau.
Wir möchten Sie bitten, jedes weitere, nicht im Ordner festgehaltene, Angebot zur Suchtprävention mit Kurzbeschreibung an Frau
ingrid.steinmueller@lra-toelz.de zu mailen mit Betreff „Schulordner“ oder „im Ordner auf dem entsprechenden Blatt einzutragen“.

Da wir als Suchtarbeitskreis sicherstellen wollten, dass das Projekt langfristig angelegt wird, im Sinne von Schulentwicklung, sollte das Projekt wenigstens drei Jahre betragen. Damit dies gewährleistet werden konnte wurde ein Kontrakt erarbeitet.
Die Pilotschule Benediktbeuern hat ihn einstimmig mit dem gesamten Lehrerkollegium angenommen und abgezeichnet.
Um den Standards der Suchprävention Rechnung zu tragen, erfolgt für das Projekt auch eine Evaluation. Es wurden Fragebögen für die zweite bis vierte Jahrgangsstufe erarbeitet, ebenso Fragebögen für Lehrer und Eltern.
Die nächste Rubrik in den Ordnern ist eine Auflistung der Möglichkeiten das Präventions-Thema der Jahrgangsstufe laut Lehrplan abzuhandeln.
Danach kommen die „externen“ Angebote, jeweils mit Kurzbeschreibung über Anbieter, Verlauf und Kosten.
Weitere Inhalte der Ordner sind eine Auflistung von Filmen und Videos, Theaterstücke, Unterrichtsvorlagen, Projekte sowie Wettbewerbsanregungen.
Sehr am Herzen lag uns natürlich auch die Elternarbeit, in dieser Rubrik sammelten wir neben Referenten auch andere Angebote, wie zum Beispiel „Elterntalk“, Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder“.
Ganz am Ende eines jeden Ordners wurde diverses Infomaterial eingeheftet, für Schüler, Eltern und Lehrer.
Neben diesen umfassenden jahrgangsorientierten Ordnern wurde noch ein gesonderter Ordner für Lehrer angelegt. Dieser beinhaltet Angebote für Lehrer. Es handelt sich nicht nur um Fortbildungsangebote, im Gegenteil, uns war es wichtig die Lehrer in ihrem alltäglichen Stress abzuholen und Angebote zum Durchatmen anzubieten.

 

4. Umsetzung

Als in zwei Jahren all diese Vorbereitungen getroffen waren, wählten wir eine Schule im Landkreis, deren Rektorin auch im Suchtarbeitskreis vertreten war und somit die Ziele des Projektes gut ihrem Kollegium vermitteln konnte.
Wie zuvor bereits erwähnt, erklärte sich das gesamte Kollegium einstimmig dazu bereit, als Pilotschule zu fungieren.
Als die Ordner übergeben wurden, fand eine Einführung im Rahmen einer Lehrerkonferenz statt. Damit das Projekt den Eltern, Schülern, aber auch der breiten Bevölkerung bekannt gemacht werden konnte, wurde am 19.11.2005 ein Tag der Öffentlichkeit vorbereitet.
Das Projekt lief von September 2005 bis Juli 2008 mit fachlicher Begleitung und Unterstützung des Arbeitskreis Sucht Untergruppe Schule in der Volksschule Benediktbeuern.
Seither ist das Projekt in Benediktbeuern zum Selbstläufer geworden. Die Schule sieht Suchtprävention aus einem anderen Blickwinkel, Prävention ist nun kein besonderes Thema mehr sondern läuft in den Alltag ein. Die Aussage einer Lehrerin sei hier zitiert: „Jetzt habe ich endlich verstanden das Suchtprävention nicht Drogenkunde ist, sondern Fördern der Persönlichkeit der Kinder“.

Gegen Ende des Projektes wurden nochmals Fragebögen wie schon nach dem ersten Projektjahr ausgegeben. Sobald diese ausgewertet sind werden sie hier veröffentlicht.

Seit dem Schuljahr 2008/2009 wurde das Projekt in der Karl - Lederer Hauptschule in Geretsried installiert.             

Ingrid Steinmüller
Suchtarbeitskreisleitung

 

Hier die Ergebnisse der Abschlussbefragung

 

Grundschule   2. – 4. Klasse

 

 

-

 

Hast du schon einmal Alkohol probiert?

2005/2006

2008

ja   47,5 %

ja   29,8 %

-  17,7 %weniger

 

-

 

Hast du schon einmal geraucht?

immer noch 13 Schüler

 

-

 

Hast du einen Computer im Zimmer?

       2005/2006

       2008

     ja   18,5 %

     ja   16,6 %

 - 1,9 %weniger 

 

-

 

Fernseher

       2005/2006

      2008

       ja   13,5 %

    ja   11,7 %

 - 1,8 %weniger 

 

-

 

 

Wie fühlst du dich in deiner Schule?

                                                  2005/6             2008

 

sehr gut

50,3 %

68,8 %           73,2 %

4,4 % fühlen

 

gut

18,5 %

sich besser

 

mittel

 

 

 

 

schlecht

6,4 %

11,1 %            5,8 %

2,8 % weniger, die

 

sehr schlecht

5,7 %

sich schlecht fühlen

 

-

 

 

Wie fühlst du dich in deiner Klasse?

                                                           2005/6                 2008

 

sehr gut

61,8 %

76,3 %

     79,1 %

41,5 %

2,8 %fühlen sich

 

gut

14,5 %

37,6 %

besser

 

mittel

14,5 %

 

 

 

 

 

schlecht

  7,5 %

  9,2 %

       7,3 %

  4,4 %

1,9 % weniger, die

 

sehr schlecht

  1,7 %

  2,9 %

sich schlecht fühlen

 

-

 

6,3 % mehr Kinder frühstücken

 

-

 

3 %    mehr Kinder haben jemanden, mit dem sie über alles reden können

 

-

 

Fühlst du dich

 

 

2005/2006

2008

 

Hauptschüler

2008

 

zu dünn

  3,4 %

 2,9 %

-    0,3 % 

2,6 %

 

zu dick

16,3 %

 9,3 %

+  20,7 %

29,1 %

 

ok

80,3 %

87,3 %

- 19 %

68,3 %

 

 klaren Anstieg von Grund- zur Hauptschule sich mit seiner Figur nicht gut zu fühlen

 

-

 

Projekt 3 Jahre, hat dir etwas besonders gefallen

ja        55,1 %

nein    44,9 %

 

Wenn ja was?

Theater

Lesen

Schwimmbad, Ausflüge

Streitschlichter

Pausenhofgestaltung

Zusammenhalt, weniger hänseln

Und vieles mehr, im Grunde wurden alle Angebote in der Auflistung der Kinder genannt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                 

 

Hauptschule   5. – 9./10. Klasse

-

Hast du schon mal Alkohol getrunken?

Insgesamt sind es zwar mehr Schüler geworden die schon mal Alkohol getrunken haben, aber die, die Alkohol konsumieren, konsumieren diesen seltener als 2005/2006

40,0 % nur 1x im Monat oder noch seltener   2005/2006 waren es nur 7,3 %

 

-

 

Hattest du schon mal einen Vollrausch?

Vollrausch 1x oder mehrmals bei Mädchen angestiegen, bei Jungs gesunken   gesamt um 2,2 % gesunken

 

-

 

In der Hauptschule 112 die sich als Raucher bekennen, 84 davon haben schon mal versucht aufzuhören   = 75 %

bereits 5. Klasse  8 Raucher

            6. Klasse  4 Raucher

 

-

 

Hast du schon einmal Cannabis probiert?

         2005/6                 2008

       14,7 %                13,6 %

Von diesen 13,6 % sind 23 Schüler(62 %) bekennende Konsumenten

 

-

 

Hast du einen Computer in deinem Zimmer?

Zahl der Computer im Zimmer bei Mädchen gestiegen, bei Jungs weniger geworden.

gesamt aber Anstieg um 2,2 %

Internet Zugriff ohne Einschränkungen haben 62,6 % der Hauptschüler

 

-

 

Hast du einen Fernseher im Zimmer

         2005/6                 2008

    108   51,2%            118   44,5%

gesunken um 6,7 %aber es sind immer noch 118 von 265 Schüler

 

-

5 % mehr Frühstücken

 

-

fühlst du dich

                                 2005/2006                         2008

zu dünn                         2,4 %                            2,6 %

zu dick                          30,6 %                          29,1 %

ok                                 67,0 %                           68,1 %

 

 

 

Ab hier wurden 2005 noch keine Erhebungen gemacht.

 

 

Schaust du alleine nach 22 Uhr Fern?

ab und zu 44,5 %,

oft             31,7 %

 

-

 

Schaust du Filme, Videos, DVD’s oder Spiele die ab 16 Jahre freigegeben sind?

ab und zu 42,3 %,

oft             37,7 %

 

5.-8. Klasse   Alter 11-15 Jahre

45,4%   ab und zu  (83 von 183 Schülern)

28,4 %  oft              (52 von 183 Schülern)

26,2 %  nie             (48 von 183 Schülern)

 

-

 

Schaust du Filme, Videos, DVD’s oder Spiele die ab 18 Jahre freigegeben sind

44,5 %   nie             (118 von 265 Schülern)

30,6 %   ab und zu  ( 81 von 265 Schülern)

24,9 %   oft              ( 66 von 265 Schülern)

 

 

 

5.-8. Klasse   Alter 11-15 Jahre

55,7 %   nie             (102 von 183 Schülern)

26,8 %   ab und zu  ( 49 von 183 Schülern)

17,5 %   oft              ( 32 von 183 Schülern

   Gesamt Rücklauf 314 Elternfragebögen

 

-

Hat ihr Kind über Angebote zu Hause gesprochen?

 

ja

161

2. – 10. Klasse

 

davon

93

Grundschule

 

 

68

Hauptschule

 

 

Wenn ja, wovon?

 

Pausenhofgestaltung

48

 

Wintersporttage

42

 

Benimm ist in

40

 

Suchtkunde

33

 

Sinnesparcours

33

 

Streitschlichter

25

 

Theater

21

 

Meditationsraum

16

 

Mut tut gut

12

 

Trainingsraum

12

 

-

Hat sich innerhalb der Familie etwas geändert? 

 

ja

in 15 Familien der Grundschüler

 

 

in 14 Familien der Hauptschüler

 

-

Laut Eltern soll das Projekt auf alle Fälle weitergeführt werden.

Am gefragtesten ist:

 

Wintersporttage

73

 

Streitschlichter

34

 

Benimm ist in

31

 

Meditationsraum

22

 

Suchtkunde

22

 

Theater

19

 

Pausenhofgestaltung

15

 

Alles

15

 

Selbstbewusstsein

14

 

Sinnesparcours

 

Stark sein

 

Elternabende

13